»We Suck« — Eine Vampir-Operette

Aus dem Schatten des Erfolgs kriechen von Ekstase, Lust und frischem Blut genährt Gerüche in die Unendlichkeit empor. Durch das ewige Leben im Spotlight der Shows geht plötzlich ein Riss. Was bis gestern Nacht noch unantastbar schien, wird schleichend von Langeweile, Verzweiflung und Verwesung aufgezehrt: Tiere, Insekten, Bakterien und Pilze. Die von unseren Körpern freigesetzte Energie fällt in fremde Hände. Die Welt zerfließt. It's going to be so weird.

Und was bezeugt schon dein Herz?
Zwischen gestern und morgen schwingt es
Lautlos und fremd,
Und was es schlägt,
Ist schon sein Fall aus der Zeit.

— I. Bachmann

Das Theaterstück »We Suck« wurde in den letzten 12 Monaten von »Anarchie in Nordberlin« in einem kollektiven Prozess entwickelt und stellt eine Collage aus Szenen, Choreografien, Chören und Musikstücken dar, changierend zwischen individuell-figurativer und kollektiver Bühnenpräsenz (mehr zur Arbeitsweise der Gruppe).

Das Stück verhandelt anhand einer Vampirband, über die die Endlichkeit einbricht, Glanz und Abglanz des Hedonismus, die Wiederkehr des Mythos als Untergang und Befreiung, die Fragilität und Emanzipation leidender Körper und fragt nach der Möglichkeit von Glück in der Ewigkeit.

Die lethargischen und depressiven Körper tanzen, alle Lebenskraft aus ihnen abgesaugt, durch den dickflüssigen Gold-Rausch ihres Erfolgs. Managerin und Schriftsteller berühren sie ebenso wenig wie die vier Sängerinnen sich gegeneinander. In den Kokon ihrer Musik gehüllt gleiten sie durch die Unsterblichkeit: »Es ist ein Jammer, dass m keinen Kirchturm herunterspringen kann, um sich das Genick zu brechen.«

Doch als Daphne plötzlich zu erzittern beginnt, sind sie mit der Materialität ihrer Körper konfrontiert, die ihnen entgegentritt als manischer Körper der Managerin, als vergeistigter Körper des Schriftstellers, als begehrenswerter Körper des Tänzers, als in Trance gefangener Körper der Sekte und — schließlich — als fragiler und leidender Körper Daphnes, der im Feuer der Kerzen und im Spalt des Vorhangs langsam verschwindet.

Dabei wird die Unendlichkeit zur Chiffre der sich selbst verewigenden Gesellschaft, der leidende Körper zugleich zum Ausdruck ihrer Verfallstendenzen und zur Möglichkeit eines radikal Anderen. Und mit dem Verwesen von Daphnes Körper löst sich auch die narrative Struktur des Stückes auf in ein postdramatisches Kippbild.


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Musik und Ton
Antonio Colli, Jakob Deges, Leon Martin,
Bühne:
Joyce Schubert, Moritz Burgtorf,
Kostüm
Lilith Huggle
Dramaturgie:
Emil Egenbauer
Mit Auszügen aus:
Akira the Don — WEIRDER AND WEIRDER
Ingeborg Bachmann
Elfride Jelinek — Ein Sportstück, Krankheit oder Moderne Frauen
Georg Büchner — Leonce und Lena
Thomas Bernhard — Jagdgesellschaft

Text und Musik wurden bis auf wenige Ausnahmen im kollektiven Prozess erarbeitet.
Musik:
Dörte and the Dicks — Mesmorized
Prince — Sexy M.F.